Die Geschichte vom Hornussen
Dass das Hornussen, ein typisches Spiel der bernischen Landbevölkerung,
seinen Ursprung im Emmental hat,
ist ebenso glaubwürdig, wie die Vermutung, dass unser heutiger Sport
aus einem alten Kriegsspiel hervor-
gegangen ist. Die Urform des Hornussens weist eindeutig auf ein Kriegsspiel
hin, denn die Bestrafung der schlechten
Abwehr, mit Besonderheit, dass Körpertreffer besonders gewertet wurden
und Ausdrücke wie „tot“ oder „verreckt“
sprechen eine deutliche Sprache. Auch altüberlieferte Spiele wie „Hürnen“
in Furna, „Horschlagen“ im Schanfigg,
„ Gerla“ am Heinzenberg und im Schams, „Hirnussa“
in Safien und das „Mazzaspiel“ ist als Bündner Mailspiel
bekannt,
werden in alten Aufzeichnungen eher den „Kriegsspielen“ zugeordnet.Das
Mailspiel wurde vom römischen Schriftsteller Quintus Ennius bereits
200 Jahre vor Christus erwähnt. Die grösste Verbreitung erfuhr
es jedoch vom 16. bis ins 18. Jahrhundert, als es über ganz Europa
verbreitet sowohl von Königen als auch vom gewöhnlichen Bürger
gespielt wurde, und zwar vor allem in Frankreich. Wahrscheinlich haben es
Schweizersöldner auch von dort in die Heimat gebracht.
In unserer Gegend wurde 1648 auf der Tagung des Kapitels Bern das Mail-
oder Mylenspiel erwähnt. Es wurde nämlich dem Niklaus Hürner,
Pfarrer zu Mühlenberg, vorgeworfen, dass er mit seinen Kirchgenossen
an Sonntagen die Mylenschlage. 1656 meldete Pfarrer Knopf von Frauenkappelen,
die Bevölkerung entheilige den Sonntag mit Mylenschlagen. Aus zahlreichen
Aufzeichnungen und Protokollen, vorwiegend aus Chor- und Sittengerichten,
wo sogenannte „Chlegte gegangen“ gegen Hornusser, kann festgehalten
werden, dass im 17. Jahrhundert das Hornussen im ganzen Emmental verbreitet
war und vor allem am Sonntag betrieben wurde. Auch Jeremias Gotthelf erwähnte
in seinem „Ueli der Chnächt“, dass an Sonntagen unter Hornussern
zweier Dörfer, Wettspiele ausgetragen wurden und nicht selten mit „bluetige
Gringe“ endeten.Das „Hürnen“ in Fuma, die Urform
des Hornussens, wird hier noch heute gespielt. Betrachtet man die "Hürnerwerkzeuge“,
dürften diese dem Hornussen als Vorgänger gedient haben. Das ca.
4 Meter lange Fichtenstämmchen als Schlaglatte würde heute als
„Bock“ bezeichnet. Die „Fangschindel“ ca. 25-30
cm breit und ca. 60 cm lang mit zwei Einkerbungen als Handgriffe, heisst
auch bei uns „Schingle“. Ebenfalls der „Huri“ mit
einem Durchmesser von 55 mm aus Hartholz, ist bei uns als „Nouss“
bekannt. Das Hornussen ist trotz seines Alters ein modernes Kampfspiel geblieben;
alle Besonderheiten des sportlichen Wettkampfs sind ihn eigen: die Bewegung,
das technische Können, das kämpferische Element und die Spannung
eines jeden Hornussers.